November 2004

das innere thermometer

ihr daheim friert schon, aber in nyc ist es die meiste zeit noch angenehm herbstlich mit temperaturen um die 10 bis manchmal 15 grad tagsüber.
die new yorker haben zur temperatur eine ganz eigenartige einstellung. das ist mir schon im sommer aufgefallen. sie sind klimaanlagensüchtig. kann man ja noch verstehen, denn so schwül und heiß habe ich noch keine stadt erlebt wie new york city ende august bis ende september. im gegensatz dazu tragen aber ganz modebewusste girlies dann im sommer diese fellstiefel. ugg boots heißen die. ich finde die nur ug(g)ly!!!
und die klimaanlagen rennen weiter, bis in den november hinein. in meinem büro läuft - außer wenn es einmal ein wirklich kühler tag ist (5 grad sagen wir mal) - immer die klimaanlage. und in der subway natürlich auch. es gibt ja nichts angenehmeres als regennass (ich und meine regenschirmphobie) in einen train einzusteigen und dann mit kalter luft so richtig durch-gefreezt zu werden.
und wenn die girlies im sommer fellstiefel tragen, dann sind bei herbstlichen temperaturen natürlich flip-flops und alles was zehenfrei ist angesagt. ganz besonder lustig finde ich immer die kombination von wintermantel und schal und flip-flops unten. ist ihnen nun heiß oder kalt?
im apartment haben wir eine ganz tolle heizung. die wird um 8 uhr morgens eingeschaltet. da bin ich schon fast auf dem weg zur arbeit, aufgewacht um 7 uhr (seit neuestem) und etwas durchgekühlt von einer nacht ohne heizung, denn um 22 uhr schalten sie die heizung aus und viel restwärme bleibt bei diesen isolierkünsten nicht… jetzt heizen sie also unser apartment genau dann, wenn niemand drinnen ist.
was auch noch zu erwähnen ist: unsere heizkörper haben keine möglichkeit der regulierung. wenn sie im ärgsten winter volles rohr einheizen und sich das apartment in einen backofen verwandelt, können wir nur das fenster aufmachen. (lt. bettinas prophezeiung)

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versäum ich was oder wie?

wer in new york urlaub macht, ist den ganzen tag unterwegs. es gibt soviel anzusehen, dass man gar nicht weiss, wo man anfangen soll. wer in new york lebt und arbeitet ist froh, ab und zu etwas sehen zu können. manchmal kommt mir vor, dass die zeit so schnell vergeht und nicht viel passiert. ich krieg schon die panik, dabei geb ich mir alle mühe. fortgehen, kulturprogramm. in harlem und der bronx herumlaufen.
angeblich geht es aber nicht nur mir so. allen hier rennt die zeit davon. ok, ich muss jetzt schluss machen, ich hab noch was vor…

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i MET anna

um auch etwas fuer die kulturinteressierten hier zu bringen: gestern waren juliane und ich in der oper. dank ihrem studentenstatus kriegt sie viele tickets guenstiger oder gratis. da sitzen wir also in der met und sehen uns la boheme an. noch dazu mit anna netrebko. die kenne ja sogar ich. und das buehnenbild war von franco Zeffirelli (der zeffirelli????). die auffuehrung war sehr schoen, aber auch sehr traditionell und konservativ. habe mir sagen lassen, dass die amerikaner generell ein eher konservatives kunstland sind. wuerden wir also martin kusejs don giovanni nach new york schicken, wuerde es den amerikanern wahrscheinlich die haare aufstellen.
aber manchmal ist traditionell ja auch gut und die saenger waren gestern wirklich toll.

wir sind ganz puenktlich hin, aber haben fast unseren platz nicht gefunden. wenn auf meiner karte reihe j und platz 18 steht, erwarte ich halt, dass der nicht weit weg von platz 25 ist. fehlanzeige. der platz ist natuerlich auf der anderen seite. so mussten wir uns schlussendlich im dunkeln durch die reihen wursteln. die sitze waren gross und bequem, fast wie im kino. die schoenen luster sind (lt. juliane, die am nachmittag eine “backstage-tour” gemacht hat *immer diese vips ;) ein geschenk der oesterreichischen regierung. deshalb erwaehn ich das hier auch.
die met selbst liegt in einem grossen gebaeudekomplex (lincoln center) zusammen mit der city opera und der avery fisher hall an der upper west side (66th and broadway). nachts sieht das gebaude dank der grossen glasfenster sehr schoen aus. siehe fotos.
auf jeden fall freue ich mich schon auf einen naechsten opernbesuch.

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hu is hu?

wer sind denn nun all die leute, die in meinen geschichten vorkommen? hier gibt’s ein ganz kurzes “who is who”.

JULIANE:
mein going-out-buddy. unverwüstlich. eigentlich aus kasachstan, aber schon seit längerem in deutschland. sie macht gerade ihren mba am baruch college. also eine richtige karriere-frau. wir teilen einen ganzen haufen vorlieben: robbie, 24, new york à la “the thomas crown affair”, um 3 uhr in der frueh ins diner gehen, etc.

SILVANA:
auch aus deutschland. halbitalienerin und das merkt man auch gleich. voll aufgedreht - den ganzen tag. wie toll! kennengelernt haben wir uns ueber das apartmentsuchen im internet. leider wohnt sie etwas weiter weg in brooklyn, deshalb sehen wir uns nicht so oft. singen kann sie auch! da sie schon einmal ein semester in den usa studiert hat, kennt sie sich mit den ami-gepflogenheiten schon gut aus.

danke juliane und silvana fuer die coole zeit bis jetzt!!!!

BETTINA:
roommate 1. gebuertige vorarlbergerin, aber nun schon das dritte jahr hier. bettina arbeitet als mathematiklehrerin in east harlem. das ist natürlich das gegenteil von meinem happy-pappy-designeralltag. durch bettina erspar ich mir aber sehr viel - ansonsten unvermeidliche - lernarbeit im new yorker alltag.

REINGARD:
roommate 2. aus gniebing. also echte steirerin. sie weiß was kernöl, junker und zotterschokolade ist. sehr beruhigend. reini ist auch im august angekommen und arbeitet auch als mathematiklehrerin, aber downtown.

VAS:
mein russischer artdirector. ueber ihn hab ich schon mal geschrieben. der volle designer eben. kein design verlaesst das haus ohne sein ok.

JEREMY:
mein unmittelbarer vorgesetzter. fuer mich ein typischer new yorker. wenn es sowas gibt. wenn vas etwas gefaellt, findet jeremy es schrecklich und umgekehrt. das macht die arbeit gleich mal richtig lustig ;)
LUBA:
sitzt in der arbeit neben mir. junior producerin. in weissrussland geboren, aber schon lange hier. hat ein jahr in frankreich studiert. weiss also gutes essen zu schaetzen. naechstes wochenende bin ich zu einem pre-thanksgiving-brunch bei ihr auf long island eingeladen. dort werden wir mal einen creme-brulee-versuch starten.

SERDAR:
der co-praktikant. kommt aus deutschland. dank ihm rede ich nun auch in der arbeit noch einen gewissen teil deutsch. er ist auch als designer hier. am wochenende geht für ihn sein ramadan-monat zu ende. dann kann er wieder bei tageslicht essen und trinken und naechtens wieder ordentlich fortgehen.

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i must to the bank

so einfach ist das gar nicht. jetzt bin ich schon zweieinhalb monate hier und bis vor wenigen tagen hatte ich noch kein bankkonto. zugegeben: das eröffnen des kontos ist nicht langwierig. aber auf dem weg dahin haben sich mir so manche hürden in den weg gestellt. hürde nr. 1 und damit der absolut schwerste brocken: ich musste früher aufstehen. denn wenn auch sonst alles in nyc fast rund um die uhr offen hat, banken nicht. wochenlang ging der wecker um sieben uhr los, nur um gleich wieder auf eine spätere uhrzeit umgestellt zu werden.
hürde nr. 2: proof of address. also ein nachweis, wo ich wohne. was macht man da als untermieter, auf den keine einzige rechnung läuft? man muss sich irgendwoher einen geschäftsbrief schicken lassen.
und vorige woche hab ich es also wirklich geschafft. das konto ist eröffnet. vorgestern habe ich dann einen ganzen kilo schecks zugestellt bekommen (damit reiche ich ja für die nächsten 10 jahre!). schecks sind sowieso ein eigenartiges phänomen. denn überweisungen sind in diesem super fortschrittlichen land fast gänzlich unbekannt. man bezahlt die miete, die gasrechnung mit einem scheck. oder man kriegt einen von seinem arbeitgeber. damit rennt man zur nächsten bank, gibt den scheck in ein kuvert und steckt es einem bankomatähnlichen ding in den rachen….
aber man gewöhnt sich ja an alles!

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der cute-faktor

courtney ist julianes broker. sie sucht schon seit drei wochen ein neues apartment, weil sie aus ihrem alten raus will. bevor wir ihn das erste mal in persona getroffen haben, hab ich mir schon mal im geiste einen typischen new yorker real-estate-broker vorgestellt: schleimig, schlitzohrig, redet dauernd,….
nun ja courtney war anders. voll nett, richtig cute sogar ;) sympathisch. ehrlich (!) tja, grund genug um die alarmglocken schrillen zu lassen. ist das nun eine masche? ein bluff? wir sind hier schließlich in new york.
nun ja, ich weiß es nicht. ich glaube ja immer an das gute im menschen, bzw. dass ich nie böse menschen treffe.
auf jeden fall ist es jetzt so, dass mit den apartments nichts weiter geht und juliane immer noch sucht und eigentlich würde sie den courtney am liebsten feuern (wegen schlechter leistung), aber er ist halt so nett (und man kann ihn doch nicht feuern, wo er doch so ein lieber ist…)
kommen wir nun langsam in ein sex-and-the-city-stadium???

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i run this town!

sonntag war ein guter tag. noch voller freude vom geglückten kinowochenende hab ich mich doch tatsächlich früh morgens aufgerafft, um joggen zu gehen. ziel: einmal rund um das jackie-kennedy-reservoir. das wetter herrlich und die glückhormone explodierten schon, bevor ich überhaupt zu laufen begann.
und dann das unglaubliche: ich laufe die ganze runde ohne geh-unterbrechung. kein stehenbleiben nichts. einfach gemütlich durchlaufen. ok. ok. das hört sich ja jetzt super an. in wahrheit ist die ganze runde nur 2,5 kilometer lang, aber für mich ist das halt ein erfolg. wenn jetzt irgendeinem langstreckenläufer von euch ein müdes lächeln auskommt: im schwimmen nehme ich jede wette an….
zurück zum historischen lauferfolg. sonntag war ja auch der tag des nyc-marathons. das ist doch ein zeichen oder? ein zeichen weiter zu laufen. und in ein (ok, eher zwei) jahren laufe ich auch marathon. oh, cool! ich habs schon immer gewusst. paula, nimm dich in acht, ich komme!
noch immer voller glückshormone gehe ich dann nachher mit bettina marathon schauen. glücklicherweise laufen sie direkt bei meiner straße (97th und 5av) vorbei. die superstars ziehen mit einem irren tempo vorbei. unglaublich. oben an der upper east side kann man (im gegensatz zum zieleinlauf beim unteren teil des central parks) alles sehr gut sehen, weil recht wenige leute zuschauen. wir spazieren in entgegengesetzter laufrichtung nach east harlem hinauf. nebenbei erschrecken wir österreichische läufer, die es gar nicht fassen können, wenn sie mitten in harlem plötzlich von landsleuten lautstark angefeuert werden. an jeder ecke djs, percussion-formationen und bands. alles sehr gemütlich und nette leute.
wir gehen sogar bis in die südbronx hinauf (der marathon führt ja immer durch alle fünf boroughs). hier gibt es ein project (ghettoartiges wohnsilo) neben dem anderen. normalerweise sollte man hier nicht ohne weiteres herumlaufen, aber dank marathon war genügend polizei da.
auf etwas sehr eigenartiges hat mich bettina da aufmerksam gemacht. je ruhiger es ist, desto gefährlicher ist die gegend. und in der südbronx war es trotz marathon sehr ruhig. wie in einer geisterstadt. in europa ist es ja eher so, dass man sich in einer ruhigen gegend sehr wohl fühlt.

alles in allem ein sehr erfreulicher, interessanter bzw. lehrreicher sonntag. 1. diese eindeutige nachricht der laufgötter, ich soll weiterlaufen. 2. zig-tausende menschen durch die stadt laufen sehen, was für ein erlebnis. 3. east harlem und die bronx. die schlechten viertel der stadt. tut mal gut, etwas anderes zu sehen und darüber nachzudenken.

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alfie und taxi

ich geh gern ins kino. und am allerliebsten in new-york-filme. weil schließlich gehör ich jetzt ja dazu. weiß wo was ist und warum und wieso. aufgrund meiner momentanen physischen erschöpfung war letztes wochenende kinowochenende. fortgegangen wird erst dieses wochenende wieder.
angesehen habe ich mir “alfie” (mit silvana) und “taxi” (mit bettina). und nun zu den kritiken.
oh ja, ich finde jude law ganz toll. und deshalb konnte ich mir alfie nicht entgehen lassen. als britischer playboy präsentieren er und seine wunderhübschen frauen im film (anmerkung: in new york gibt es zwar viele schöne, aber auch viele ganz normal aussehende menschen) manhattan genauso wie man es haben will: funkelnd und aufregend. das leicht deprimierende ende hat uns zwei singles dann etwas zugesetzt, aber alles in allem ein sehr schöner film (coole musik!)
taxi. endlich hab ich jemanden gefunden, der sich queen latifah und jimmy fallon mit mir anschauen geht. die handlung: polizist fallon kann nicht autofahren und verfolgt mit taxi-rennfahrerin latifah supermodel-einbrecherin gisele bündchen in den straßen von manhattan. die handlung interessiert aber auch keinen. hier geht es nur um schnelle autos (die endlich mal wieder von frauen gefahren werden!), verfolgungjagden und wieder mal tolle musik. jimmy fallon und queen latifah sind witzig. für alle, die autos genausogerne mögen wie ich.
und am sonntag geb ich mir “fade to black”. die doku über jay-z letztes konzert im madison square garden. der authentizität halber (das ist ja hier so wichtig ;) gehen wir in ein kino in harlem!

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politically correct

gefunden auf orf.at am 4.11.2004

“OSZE: US-Wahlen großteils korrekt
Die am Dienstag in den USA abgehaltenen Wahlen sind nach Angaben der OSZE-Wahlbeobachter “großteils” entsprechend der Verpflichtungen der OSZE-Staaten korrekt abgelaufen. (…)
Als Problem wurden jedoch “starke Verzögerungen bei den Wahllokalen” mit bis zu vier Stunden Wartezeit genannt, die vermutlich einige Wähler abgeschreckt und deren Wahlrecht eingeschränkt hätten, da die Wahlen an einem Arbeitstag stattfanden.
(…)”provisional ballots” (provisorische Stimmabgabe), teilweise hätten sich auch die Wahlhelfer selber mit den betreffenden Regelungen nicht ausgekannt….”

korrekt ist genau das wort, das mir auch dazu einfaellt…

welcher arme schlucker mit 3 jobs kann es sich leisten vier stunden anzustehen? der verliert seine arbeit. einige stimmen werden einfach verloren. beeinflussung der waehler bis zur urne. apropos urne. heuer haben sie das erste mal touchscreens ausprobiert. und 1100 probleme wurden protokolliert…
tolles statement der osze.

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verwählt

nun haben sie ihn also für weitere vier jahre am hals. da kann man nur mehr den kopf schütteln. wie so ein ergebnis zustande kommt, kann man nachvollziehen. es sind viele wahlberechtigt, aber nicht alle können wählen. entweder sind die wahlmaschinen kaputt oder das wahllokal schließt pünktlich um 9 uhr, auch wenn noch eine ganze schlange von wählern draußen steht und wartet. das spart natürlich weiteres herumzählen, was ja bekanntlich eine schwäche der amerikaner ist. in welchen bezirken das passiert, kann man sich vorstellen. manche stimmen werden auch einfach verloren oder sind nur provisorisch (die werden wahrscheinlich ausgezählt und nur dann anerkannt, wenn sie für bush sind - ok mutmaßung, aber vorstellen kann ich mir das!).
unter den new yorker regen sich wenige über den ausgang der wahl aus. es ist schon wieder alles “business as usual”. falls sich jetzt viele von euch fragen, wie man nur so blöd sein kann (nach all der vorkommnisse) wieder bush zu wählen: die amerikaner (achtung verallgemeinerung! also die breite masse zumindest) ist ganz sicher blöd genug.
das bildungsniveau ist niedrig (die normale college-ausbildung kann als bessere matura bezeichnet werden), öffentliche schulen sind eine katastrophe, die medien eine einzige gehirnwäscherei und die kluft zwischen arm und reich ist größer als je zuvor.
die frage bleibt natürlich: was wäre denn wirklich anders geworden unter kerry? noch am wahltag (da wird keine zeit vergeudet) sprechen sie schon vom zukünftigen ersten schwarzen präsidenten der usa. barack obama (www.obamaforillinois.com), der neuer senator für illinois ist. eine lichtgestalt quasi, aber zuerst müssen sie eben bush überleben.
und jeden tag erlebt man mehr dinge, die man einfach nicht glauben kann.
alle die jetzt sagen: “das hab ich doch schon immer gewusst!” was ihr auch immer wisst, es ist noch 10mal schlimmer…
warum ich dann da bin? new york ist nicht amerika. es gibt hier viele interessante menschen und gründe genug noch eine weile zu bleiben.
genug der verallgemeinerungen, aber nach diesem wahltag kommt einem so manches hoch…..

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