February 6th, 2005

die superbowl

ein aufregender sonntag. zuerst die harlem-tour und am abend steht die superbowl am programm. warum das eigentlich superbowl heißt ist mir ein rätsel, denn die trophäe ist so gar keine bowl, vielmehr ein football der in einer pyramide steckt (die vince-lombardi-trophy), aber das ist eigentlich gar nicht so wichtig…
wer spielt? die new england patriots (boston) gegen die philadelphia eagles. nachdem man auf unserem mickey-mouse-fernseher nicht einmal den ball sehen kann, müssen wir uns einen großen fernseher suchen. an der upper east side ist das kein problem, da gibt es haufenweise sportbars.
ich football-begeisterte kann reingard und silvana (eigentlich auch begeistert) zu folgendem plan überreden: ein nettes pub mit riesenleinwand und superguten burgern (muss man für sowas noch begeistert werden?). ich rechne eigentlich damit, dass alle bars gesteckt voll sind und wir unseren burger auf engstem raum eingequetscht essen müssen. dem ist nicht so. silvana klärt mich auf. normale amerikaner haben ihre superbowl-parties zu hause, denn normale (sorry für die verallgemeinerung) haben auch riesengroße fernsehen und müssen nicht in eine bar ausweichen. jedenfalls kriegen wir (reingards arbeitskollege dave ist auch mit) einen netten tisch und die burger kommen auch gleich. vor dem spiel geben die black eyes peas nochmal ihr bestes (die sind ja auch wirklich gut), alicia keys singt die nationalhymne und schon geht’s los - kick-off.
während wir also genüsslich unsere deluxe burger (mit champignons und speck und cancun fries - echt gut!) verdrücken, bemerken wir, dass wir einem seniorenpub gelandet sind. hmm. keine rechte stimmung also. außerdem rauscht die soundanlage ein bisschen. der retter in der not? mo’s bar. eh schon lange nicht mehr dort gewesen.
wir schaffen’s pünktlich zum zweiten viertel dort zu sein. das spiel ist noch nicht sonderlich aufregend, also versäumen wir während dem lokalwechsel nicht viel.
den ersten touchdown machen die eagles, die eigentlich der außenseiter sind. danach geht’s so hin und her. keine großen spielzeuge, nicht sonderlich spannend. wir tun, was alle in der bar machen. trinken bier und jubeln. ich juble für die patriots. aber es sind auch viele philly-fans hier. halbe-halbe würd ich sagen.
die halftime-show ist dieses jahr enttäuschend. ich bin kein paul mccartney fan und seine performance reißt mich nicht vom barhocker. nachdem den veranstaltern aber voriges jahr die sache mit justin timberlake und janet jacksons busen passiert ist, wollen sie wohl auf nummer sichergehen. was waren das noch zeiten, als u2 die halftime-show gemacht haben.
reingard ist kurz vor dem spiel noch vom philly- zum pats-fan mutiert. gute entscheidung, sag ich da. sie gewinnen nämlich auch. nicht zuletzt wegen quarterback tom brady. der dritte superbowlsieg in vier jahren.
resume: ich hab schon viel bessere superbowls gesehen. trotzdem war es lustig: reingard als superbowl-greenhorn (ich denke ihr hat’s gefallen), deluxe-burger (hatten wir schon lange nicht mehr) und partystimmung in mo’s bar.

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in harlem muss man gewesen sein

wir haben besuch aus österreich. “touristen” wirken sich immer sehr positiv auf unsere unternehmungslust aus. in den eiskalten winterwochen wird man ja unweigerlich träge und hat es am liebsten warm und gemütlich. da aber dieses wochenende der frühling anklopft und ich außerdem ja der totale harlem-fan bin, schließe ich mich bettina und ihren freundinnen an. wir fahren gegen 10 mit dem bus hoch zur 137. straße zu einer gospelmesse in der berühmten abyssinian baptist church. es wäre nicht new york, wenn es keine line vor dem eingang gäbe. und ein freundlicher herr schickt uns auch gleich ans ende der line (wo das ist sieht man nicht gleich) “around the corner”. nun ja, der corner ist ja schon mal ein riesenstück entfernt und als wir dort einbiegen, ist die line fast nochmal genauso lang. was lernt man daraus? wenn etwas in new york bekannt ist und noch dazu keinen eintritt kostet, gibt es eine line. und was für eine.
nach 30 minuten warten tut sich noch immer nichts. nach 45 minuten rücken wir weiter und als wir uns schon freuen, endlich um die ecke “zur richtigen” line aufzuschließen, sagt uns ein anderer freundlicher herr, dass wir ganz sicher nicht mehr platz haben werden, aber einen block weiter auch eine ganz nette kirche ist. “the mother african methodist episcopal zion church”. noch dazu die älteste afroamerikanische kirche in new york. gegründet 1796.
da wir eine ganze menge zeit mit warten verbracht haben, kommen wir natürlich zu spät zur messe. wer sich noch an sister act erinnern kann - so ähnlich sieht die kirche von innen aus. die mitglieder der kirche haben das feinste sonntagsgewand an. männer im anzug. frauen in farbigen kleidern oder kostümen und hüten. es ist angenehm geheizt und der gospelchor singt gerade. leider ist es auch ihr letztes stück, aber die stimmung während sie singen ist toll. fast alle leute in den bänken singen mit. eine alte dame kann gar nicht mehr stillsitzen und shakt so richtig ab.
was folgt ist der große auftritt des reverend. der pfarrer würden wir sagen. und seine predigt hat es in sich. akustisch mit allem was stimme und mikrophon hergeben, spricht er über die sklaverei, die rolle der black community, die afrikanischen wurzeln, was die afroamerikanische bevölkerung alles ertragen musste und was sie trotz widriger umstände hier in harlem alles erreicht hat. dramaturgisch und vor allem inhaltlich ist das ganze so exzellent, dass man einfach nur dasitzen kann und voller ergriffenheit zuhört. predigen mit soviel power vorgetragen könnte die kirche in österreich vielleicht auch gut brauchen. als die messe aus ist, verabschieden mich einige gemeindemitglieder und meinen ich soll bald wiederkommen. und was soll ich sagen? ich bin beeindruckt. die messe war schön und die predigt einsame klasse. ich komme hoffentlich bald einmal wieder.
nach der messe machen wir uns auf richtung east harlem. das ist ein ganzes stück und so sehen wir einiges von harlem. es gibt einerseits wunderschöne, alte häuser, die sehr schön restauriert sind und oft gleich daneben total baufällige gebäude. harlem war “ganz früher” ja ein reicher und weißer stadtteil. der name kommt aus dem holländischen. viele häuser wirken auch noch sehr europäisch. (ich versuche mich auch gerade in die geschichte harlems einzulesen, weil es mich unheimlich interessiert und weil harlem für mich ganz einfach der aufregendste und “schönste” stadtteil manhattans ist. ich hoffe, ich kann bald mit wissen glänzen.)
das harlem in manchen teilen eine sehr schöne und auch einigermaßen sichere gegend zum wohnen ist, scheinen die immobilienmakler natürlich schon bemerkt zu haben.
in east harlem sieht es etwas anders aus. diese gegend ist wirklich nicht sicher und hier sind haufenweise projects zu finden. in einer gruppe muss man sich tagsüber aber nicht fürchten. alleine wäre ich hier aber an manchen ecken ungern unterwegs.
wir sind an der 125. strasse angekommen. schon sehr weit östlich und beschließen die ganze straße westwärts zu gehen, weil sie eben auch die hauptstraße harlems ist. es ist sonntag nachmittag und viel los. hier findet man viele restaurants. pastry shops, die gerade eröffnet haben, kleine shops, in denen man sich braids flechten lassen kann (das sind diese kleinen zöpfchen, die ganz dicht an der kopfhaut geflochten werden), stände mit räucherstäbchen und obst,… ich komme mit dem fotografieren gar nicht nach. einstweilen starren bettina und ihre freundinnen ganz gebannt durch die fenster einer großen halle. was gibt’s da? keine ahnung, aber wohl was aufregendes. kann man sagen: es ist hillary clinton, die gerade im rahmen des “black history months” eine rede hält. leider dürfen wir nicht rein und auch nicht weiter unsere nasen gegen die scheibe pressen. schade. bill clinton hat sein büro auch an der 125. strasse. leider wissen wir nicht wo. ich hab auch schon einmal ein foto davon gesehen. der ausblick ist sagenhaft - über den ganzen central park. damit hat der gute bill einerseits den stellenwert harlems gehoben und andererseits auch was fürs eigene image getan. die clintons sind also in harlem ganz dick da.
wir gehen weiter. neben der straße parkt ein mercedes sl. und es ist nicht das einzige richtig “dicke” auto, das ich sehe. ich weiß nicht so recht, wie ich das deuten soll, jedenfalls fällt mir das auf.
vorbei am berühmten apollo theater (eine institution in harlem. bei den wöchentlichen amateur nights (im prinzip wie starmania, nur wird man dort ehrlicherweise ausgebuht oder eben bejubelt) wurden hier schon stars wie ella fitzgerald oder lauryn hill entdeckt). ich nehme mir schon lange vor endlich einmal herzukommen, aber bis jetzt hat es noch nie gepasst.
ziemlich hungrig entschließen wir uns zu einem verspäteten soulfood-lunch. “mana’s” heißt das lokal. man kann von einem riesenbuffet wählen und bezahlt nach gewicht. salate, huhn in allen variationen, gebraten mit honigkruste, in sauce, paniert, fisch, gemüsegerichte und alle möglichen beilagen. alles in allem nicht teuer und schmeckt sehr, sehr gut.
so ein harlem-ausflug ist einfach immer eine gute idee. und ich hab erst so wenig dort gesehen. fortsetzung folgt also….
****** fotos folgen ********

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